Natürlich hätte ich lieber einen Gauck gehabt, aber die demokratische Wahl hat entschieden. Und wie heißt es so schön: Man wächst mit seinen Aufgabe; Wulff sicher auch.
Dennoch war die Wahl eine Demonstration politischen Taktierens, welches sicher einfach “dazugehört”, aber bei mir persönlich eher auf Unverständnis stößt.
Idealistischer Weise hätten die 625 Abgeordneten der Bundesversammlung, die Wulff im dritten Wahlgang schließlich ihre Stimme gegeben haben, genau dieses auch schon im ersten Durchgang tun können. Denn, so meine infantile Überlegung, wenn ich aus meiner Überzeugung heraus einen Kandidaten für befähigt halte, dann wähle ich ihn. Punkt. Ich gehe ja nun bei der Bundes- oder Landtagswahl auch nicht zwei bis drei mal in die Kabine, bis das Ergebnis passt.
Stattdessen verkommt die Wahl des Staatsoberhauptes zu einer vermeintlichen Denkzettelveranstaltung für die amtierende Bundesregierung, die in diesen Tagen – zugegebenermaßen – alles andere als souverän erscheint.
Wahlweise wird der Bundeskanzlerin nun in den nächsten Tagen entweder der brillante Schachzug unterstellt, sich mit der Wahl von Wulff einen innerparteilichen Konkurrenten vom Leibe gehalten zu haben. Oder aber muss sie sich mit dem Vorwurf auseinander setzen, mit Wahlgang 3 zu einer noch steileren politischen Talfahrt angesetzt zu haben.
Bleibt die Frage, ob dann jetzt auch mal wieder regiert wird.
Abgesehen vom Regierungshickhack halte ich die Idee von SPD und Grünen, Joachim Gauck zu nominieren, für die brillanteste Personalentscheidung in dieser Republik seit mindestens 10 Jahren. Schade (oder schön?) das sich “Die Linke” nicht auf Gauck einlassen wollte – damit zeigt sie meiner Meinung nach ihre Unfähigkeit, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und macht sie auch nicht wählbarer.